Rehabilitationsansatz von ReMoD – Biofeedback und Training

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Warum brauchen Hemiparesepatienten eine Therapie, wenn die Schäden doch irreversibel sind?

Ursache einer Hemiparese ist immer eine Läsion im zentralen Nervensystem. Betroffen sind die sensomotorischen Areale, die für die Steuerung der Bewegungen zuständig sind.

Menschen mit einer Hemiparese versuchen, genau wie Menschen ohne eine sensomotorische Einschränkung, zum Gehen beide Beine symmetrisch zu bewegen und stützen sich dabei auf die Informationen ihres sensorischen Systems (u.a. Propriozeption). Da dieses jedoch geschädigt ist, erhält der Patient ein fehlerhaftes und asymmetrisches Feedback über die aktuelle Position seiner Gelenkstellung, Muskelspannung, Gewichtsverteilung etc. Vor diesem Hintergrund kann ihm die Steuerung und Ausführung einer symmetrischen Gehbewegung nicht gelingen.

Läsionen im zentralen Nervensystem sind irreversibel, d.h. diese Strukturen können nicht im eigentlichen Sinne geheilt, d.h. wiederhergestellt werden.

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Bewegungsregulation (modifiziert nach Froböse et al., 2002)

Stattdessen müssen zur Rehabilitation von Hemiparesepatienten therapeutische Maßnahmen ergriffen werden, die darauf zielen, die Aufgaben der verletzten Hirnregionen (hier die Bewegungssteuerung) auf andere Systeme zu übertragen. Auch wenn die Schäden im zentralen Nervensystem nicht geheilt werden können, lassen sich durch eine geeignete Therapie alternative Steuerungsprogramme aufbauen, die zu deutlichen Verbesserungen der Bewegungsabläufe führen. Ohne eine solche Therapie beginnt für Patienten mitunter eine Abwärtsspirale, deren negative Folgen weit über die ursprünglichen Bewegungseinschränkungen hinausgehen können.

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Die Wirkung einer solchen Spirale kann man sich so vorstellen: Auf Grund der gestörten Steuerung entstehen nicht symmetrische Gehbewegungen, die die Gelenke zu sehr belasten und langfristig schädigen. Diese Schädigung verursacht Schmerzen. Zudem werden die Muskeln entweder zu stark beansprucht, was zu weiteren Verspannungen und Schmerzen führt, oder zu wenig, was wiederum die Rückbildung von Muskeln zur Folge hat und das Fortschreiten der die Asymmetrie des Gangbildes und damit weitere Bewegungseinschränkungen verursacht, womit dieser Kreislauf von vorne beginnt. Am Ende stehen zunehmende Spastiken, zunehmende Immobilität und in deren Folge häufiger Kranken­stand, Ausgrenzung und nicht selten Depression.

 

Was ist das Ziel des ReMoD Therapiekonzepts?

Die ReMoD-Therapie zielt auf das (Wieder)Erlernen eines weitgehend symmetrischen Gangbildes. Diese symmetrische Bewegung bildet eine ideale Passung mit der Anatomie des menschlichen Körpers, welche durch die Hemiparese zunächst nicht in Mitleidenschaft gezogen wurde. Durch das (Wieder)Erlernen eines möglichst symmetrischen Gangbildes können langfristig Schädigungen an den anatomischen Strukturen und damit Schmerzen für den Patienten vermieden werden.

 

Bausteine des ReMoD-Therapiekonzepts

Um Menschen mit einer Hemiparese beim Erreichen des Therapiezieles auf allen Ebenen wirksam unterstützen zu können, enthält das ReMoD-Konzept zwei Bausteine. Damit sollen sowohl der sensorischen als auch der motorischen Einschränkung Rechnung getragen werden.

 

Sensorisches System:
Der erste Baustein besteht aus einem Biofeedbackgerät.

Das Sensorische System, vornehmlich propriozeptorische, vestibuläre visuelle und haptische Sinneseindrücke geben Meldung über die aktuelle Lage des Körpers im Raum, den Raum an sich und die Bewegung im Raum. Das Vorhandensein dieser Informationen/Signale sind Vorbedingung jeder Gehbewegung. Bei Hemiparesepatienten sind diese Signale und deren Weitergabe gestört.

Das Biofeedbackgerät versorgt den Patienten mit den für die Propriozeption notwendi­gen Informationen, also den Informationen zur Wahrnehmung von Körperbewegung und –lage im Raum und deren Stellung zueinander. Das Biofeedbackgerät ahmt den Regelmechanismus des sensorischen Systems nach und unterstützt es somit.

Das Gerät kann bei spezifischer Indikation von Hemiparesepatienten genutzt werden, um den Körper symmetrisch ausrichten zu lernen und so eine gleichgewichtige Ausgangshaltung für den symmetrischen Gang zu erwerben (siehe Passagier/Locomotor, nach Perry).

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Funktionelle Aufteilung des Körpers
in den oberen Passenger und den unteren Locomotor
(modifiziert nach Perry 1992, S. 20)

 

Motorische System:
Der zweite Baustein besteht aus dem spezifischen
ReMoD-Training.

Dieses Training ist das Herzstück des ReMoD-Rehalilitationsansatzes. Das Training ist auf den besonderen Bedarf von Hemiparesepatienten abgestimmt: Impulse, die lähmungsbedingt nicht zur Verfügung stehen, müssen durch alternativ zur Verfügung stehenden Impulse ersetzt oder, wenn möglich, auftrainiert werden. Es geht also um das Antrainieren eines neuen Impulsmusters.

Ein wichtiger Aspekt dieser Trainingsmethode ist die diagnostische Ganganalyse des Hemiparesepatienten unter besonderer Berücksichtigung der spezifischen Bewegungsimpulse, die für das Erzeugen oder den Aufbau eines physiologischen Gangs benötigt werden.

Diese beiden Bausteine wurden in der Rehabilitation mit Dindia Gutmann entwickelt. Ihr geradezu sensationeller Erfolg beim Erlernen von Ersatzbewegungen, der ihr zu einem nahezu symmetrischen Gehen verholfen hat und ihr damit eine schmerzfreie Mobilität ermöglicht, gibt uns die Hoffnung, auch anderen Patienten helfen zu können.

Daher sollen die Bausteine des ReMoD-Konzeptes im Folgenden näher beschrieben werden. Verbunden damit ist die Hoffnung, dass die physiotherapeutische und bewegungstherapeutische Fachwelt diese Bausteine aufgreift und weiterentwickelt.

 

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Dindia – ein Fallbeispiel

 

 

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